Die Gründung des Vereines erfolgte am 25. April 1867. Gründungsmitglieder waren die Herren Leontius Berger, Franz Mann¬berger, Otto Josef Dogmayr, Josef Steininger, Josef Huber, Josef Kogler, Josef Vockenhuber, Karl Schweitzer.

In der Hauptversammlung am 19. Mai 1867 wurde der erste Turnrat gewählt. Er setzte sich zusammen aus den Herren Franz Koch als Vorstand, Ferdinand von Lidl jun. als Turnwart, Hans Sarsteiner als Säckelwart, Franz Mannberger als Schriftwart und Friedrich Karl als Zeugwart.

Es mag einer verzagen, der daran geht, den Werdegang eines Vereines zu beschreiben, dessen Gründung hundert Jahre zurückliegt. Ein Dutzend alter Folianten will studiert sein und auch wenn man imstande wäre, in einem einzigen Tage die Protokolle eines ganzen Jahres zu übersetzten - denn für uns Heutige ist die Kurrentschrift mit Haar- und Schattenstrichen, die altmodische Schreibweise eine harte Nuß - also, wenn man auch in einem Tag ein Jahr beschriebe, wären drei Monate nötig, diese Schrift zu verfassen. Und wer würde den Monsterbericht lesen? Wohl nur der pflichtschuldige Turnrat und vielleicht die Ischler, deren Ahnen dereinst Mitglieder, Vorturner oder Obmänner waren. Deshalb sei hier nur Wesentliches angeführt. Meilensteine aus dem Leben eines Vereines, Episoden, die wert sind, der Vergessenheit entrissen zu werden.

1865 brannte der Markt ab. Doch, wie alles Schlechte etwas Gutes birgt, war der Brand der Anstoß, eine Feuerwehr zu gründen. Und weil die wackeren Männer ungeübt waren zu laufen, Eimer zu schleppen, Leitern zu ersteigen, wollte man den Männern eine turnerische Ausbildung zu¬kommen lassen. Jeden zweiten Sonntag sollte man sich in der Turnhalle der Badeverwaltung zum Turnen versammeln. Aber die Sache wäre eingeschlafen (weil nach „Aussage" eines Feuerwehrmannes nur selten ein „Die Übung leitendes Organ" zugegen war), wenn sich nicht die Mehrzahl der Männer im Feuerwehranzug so gut gefallen hätte! Man kam zu dem Schluß, es gäbe keine andere Rettung, als einen Turnverein zu gründen, der, wenn er stark genug geworden sei, eine tüchtige Feuerwehr stellen würde. Die acht Gründungsmitglieder setzten sich zusammen, an der Spitze Herr Leontius Berger, Schwimmelster, Turnlehrer in der Bade- und Turnanstalt der Dr. Wirer'schen Stiftung. Sie schickten ein Rundschreiben aus, worin die leiblichen und geistigen Vorzüge des Turnens gepriesen wurden. Man sammelte 43 Unterschriften, eine Deputation wurde beim Direktor der Badeanstalten vorstellig. Der zeigte sich wohlgeneigt, gab jedem der Herren die Hand und entließ sie gnädig.

Gleich eine Woche darauf gab es wieder eine Hauptversammlung. Man erstellte Satzungen, ernannte den Vorstand, Turnwart, Säckelwart, Hornwart, beschloß Beitrittsgebühren.

Der Leitspruch war:

LICHT IM KOPF - MUT IM HERZ - KRAFT IM ARM

Es gab beinahe jede Woche eine Hauptversammlung, bald auch ein Kränzchen. In Jacke, schwarzer Hose und „fliegendem Halstuch". Leider war der Herr Vorstand davon abwesend, doch um acht Uhr abends kam eine telegrafische Depesche mit seinen guten Wünschen für das Gelingen der Unterhaltung und diese so erfreuliche Nachricht wurde mit dreifachem „Gut Heil" jubelnd begrüßt.

Schon im ersten Jahr besitzt der Verein an „ Geräthen": 1 Schwingel, 1 Reck, 2 Barren, 1 Hängeleiter, 2 Gehrstangen, 1 Klettergerüst, 1 Bock, 1 Springei, 2 Sprungbretter, 1 Wurfstein, 2 Strohsäcke.

Und wie wurde geturnt? Wie die Statistik erweist, betrieb man: Stützarmwippen, Hangarmwippen (Kammgriff, Ristgriff), Hochsprung (links, rechts), Weitsprung, Steinstoßen. Der Schriftwart berichtete in rührender Sorgfalt über Ein- und Ausgaben, Anschaffungen (Petroleum für die Lampen, ein Fußteppich). Der Turnrat erhielt in diesem Jahre 5 Zuschriften und versendete 6 Briefe! Jedes Protokoll unterschreibt der Schriftwart mit Namen und einem riesigen kunstvollen Schnörkel.
1868 tritt der Verein in seine „vollste Wirksamkeit". Der Herr Schuldirektor wird schriftlich ersucht, den Schulkindern bekanntzugeben, daß sie unentgeltlich Turnunterricht bekommen können. Wieder werden Kränzchen abgehalten, weil der Tanz an sich als Leibesübung betrachtet wird und sich, abgesehen von den Anstrengungen des Tanzens durch das gesellige Beisammensein erneutes Leben und Treiben einschleicht und zur vermehrten Teilnahme am Turnen anspornt. Herr Karl Koch wird zum Trinkhornwart bestellt und er verspricht, das Horn recht häufig mit Reben- oder Gerstensaft zu füllen. Eine Turner-Musikkapelle wird ge-gründet, bald darauf Ständchen vor den Häusern dreier Ehrenmitglieder dargebracht. Die Zöglinge machen einen Ausflug nach „Laufen" und zurück! Am 24. Mai unternimmt man einen denkwürdigen Ausflug. In Stellwagen und zweispäniger Kutsche nach Strobl, dann mit Schiffen nach St. Gilgen. Dort angekommen, empfängt die Gilgner Turnermusik, und Böllerschüsse. Es wird „ wacker gekneipt" und „die Heiterkeit ist den Turnern durchgehend im Gesichte geschrieben". Mit Scheibenschießen, Kegelscheiben vergeht der Tag. Die Fahrt geht weiter nach St. Wolfgang. Hier vereinigen sich die Turner zu „ dreien und dreien" und marschieren zu einer gemütlichen Unterhaltung. Die Rückfahrt bei „angebrochener Nachtzeit" glich dem Bilde „Eine Nacht in Neapel", so berichtet der poetische Chronist. Am 20. September wird ein freudiges Fest gefeiert, allerdings wird die Fahne nicht fertig. Deren Weihe muss in einem eigenen Fest nachgeholt werden. 13 Gäste aus Gmunden werden empfangen, sie kommen mit dem Stellwagen. Ein Riegen- und Kunstturnen findet statt. Ein allgemeines „Wacker, wacker" und viel Applaus seitens des Publikums war zu hören. In diesem Jahre heiratete auch der „ geliebte Herr Vorstand" Franz Koch. Die Turner bringen ihm rührende Beweise ihrer Zuneigung, sie feiern in Ischl, während er in Wien in den Stand der Ehe tritt. In diesem Jahr steigt der Verein auf hundert Mitglieder an. Allerdings wird bei den Übungsstunden nur eine durchschnittliche Teilnahme von 9 Mann verzeichnet.

1869 findet ein Gauturnfest in Steyr statt - ein großartiges Unternehmen, die Reise dorthin! Frau Henriette Koch ist die vielverehrte Fahnenpatin, ein Fest mit Festzug, Turnermusik und Böllerschüssen findet statt. Der Saal war wie ein „Feentempel" dekoriert.

1870 wird Kontakt mit dem Gmundner Turnverein aufgenommen. Ein Ausflug nach Weißenbach, Unterach, Mondsee wird unternommen, aller¬dings muß in Mondsee übernachtet werden, in einem Tag wäre die riesige Strecke nicht zu bewältigen gewesen. Der Schriftwart ermahnt: Turnen ist kein Gaukelspiel, sondern eine heilige Sache!

1871 besitzt der Verein 59 ausübende Mitglieder, 74 Turnstunden werden abgehalten. Weiterhin betreibt man Hangarmwippen, Stützarmwippen, Hochsprung links und rechts, Weitsprung und Steinstoßen mit dem Ein¬Drittel-Zoll-Zentner schweren Stein. Der Chronist berichtet vom 13. Jänner, es wäre so eine große Kälte gewesen, daß keine Turnübung habe stattfinden können, statt dessen jedoch eine Kneipe! Am 27. Mai versammeln sich 15 Turner, reisefertig, mit Blumen geschmückt. Sie werden namentlich angeführt und von der Vereinskasse unterstützt. Ihre Reise geht nach Wels zum Turntag. Zwei Abgeordnete und ein Fahnenjunker begleiten sie. Bis Ebensee geht die Reise auf dem Traunschiff, dann per Dampfschiff nach Gmunden (fröhlicher Empfang durch die Turner daselbst) mit denselben zum Bahnhof und per Dampfroß dem Ziele entgegen.
In Lambach stoßen die Salzburger dazu. Ganz Wels ist auf den Beinen mit Musikbanden und Fackelzug. Freudige Grüße schallen entgegen. Am nächsten Tage ist ein Festzug und ein Riegenturnen. Ischl stellt zwölf Mann. Herr Punzer Benedikt (Schuhmacher) erringt den zweiten Preis im Hochsprung mit 59 Zoll. Abends findet in Thurners Festlokalitäten eine Festkneipe statt, wobei vieles, hauptsächlich aber die Gemütlichkeit fehlte! Ischl soll der Ort des nächsten Turntages sein! Die Aufregung ist ungeheuer. Beim nächsten Turnfest in Salzburg im August sprang Benedikt Punzer noch einen Zoll höher, er bekam den dritten Preis.

1872 wird wieder ein neuer Turnrat gewählt. Man bittet die Lehrherren und Meister, den Lehrjungen den Besuch des sonntäglichen Turnens zu gestatten. Mit diesen Lehrjungen gibt es noch manchen Kummer, denn, obwohl die Meister einsichtig sind und freigeben, erscheinen manche Burschen nicht, sie schwänzen glatt die Turnstunde! Herr Niemayr überläßt dem Turnverein seinen Saal zur Abhaltung der Turnstunden. Er muß sich jedoch erst wegen des Preises von zwei Gasflammen erkundigen, die zur Beleuchtung nötig wären. Neue Barrenholme müssen angeschafft werden. Der salinarische Oberschmied Rettenbacher wird beauftragt, die nötigen Eisenbestandteile zu verfertigen, er ist damit einverstanden. Die jungen Turner wollen wieder ein Kränzchen veranstalten. Der Turnrat warnt vor einem Defizit. Man beschließt die Anhaltung dennoch, denn es besteht die Hoffnung, wenn auch sich diesmal ein Defizit herausstellte, es im nächsten Jahre genau so gut einen Überschuß geben könnte! Der Turnbesuch läßt leider zu wünschen übrig, die Statistik ergibt einen durchschnittliehen Besuch von 1 l dreiviertel Mann! Die Vorbereitungen für den Turntag in Ischl laufen weiter. Für die Kapelle bewilligte man zwei Gulden und einige Erquickung. Leider ist die „Baarkaße" gänzlich erschöpft. Im folgenden Jahre verschenkt der Verein die Musikinstrumente an die Bürgerkapelle. Ein Stiefelknecht, ein Kastenschloß und Sprungschnüre werden angeschaft.

1874 besteht der Verein aus dem Turnrat und 31 Mitgliedern, eine Statutenänderung wird nach vielen Versammlungen und Beratungen durch¬geführt. Am Fackelzug zum 25. Regierungsjubiläum des Kaisers beteiligt sich der Verein. Die Turnstunden haben 8 Mann Durchschnitt. Im nächsten Jahre wird das Schulturnen obligat, ein großer Schritt in der Turnsache vorwärts! Wieder wird ein Kränzchen abgehalten, doch „behufs" Vermeidung eines Defizites wird beschlossen, die Begleitung durch einen Pianisten besorgen zu lassen. Es wird angeregt, für die Fahne ein Futteral aus Holz besorgen zu lassen, hiedurch würde sie bedeutend geschützt! Ein Turner beantragt die Anschaffung von Arzneien, welche in der Turnhalle zu stehen und bei allfälligen Verunglückungen als Erste Hilfe zu dienen hätten. Dies wird über Erwiderung des Vorstandes abgelehnt, daß derlei unnütz sei und bei Verunglückungen das allerbeste und wirksamste Mittel kaltes Wasser sei, welches bei der Turnhalle im überfluße vorhanden sei! Ein Schauturnen wird veranstaltet, um sich bei der Bevölkerung in Erinnerung zu bringen.

In Ischl erscheint eine Zeitung: Echo aus den Bergen.

1879 beteiligt sich der Turnverein mit Deputation und Fahne am Festgottesdienst anläßlich der silbernen Hochzeit des Kaiserpaares. Lehrer Malec berichtet über den schlechten Stand des Schulturnens: Da sich im Schulhause kein solches Zimmer befindet, welches zu „Ertheilung" des Turnunterrichtes verwendbar wäre, ja, die Bauart des ganzen Hauses das Turnen in demselben nicht rätlich erscheinen läßt, entfallen daher alle Turnstunden an Regentagen und auch solche wegen Sonnenhitze! In Zell am See findet ein Gauturnfest statt. Ein Reisebetrag von drei Gulden wird bewilligt. Es herrscht rege Verbindung mit den Turnvereinen von Salzburg, Ried, Gmunden, Wels. Wegen der Teilnahme am Bergturnfest auf dem Gaisberg findet eine „Depate" statt.

1888 ist die Eröffnung des neuen Schulgebäudes mit der Turnhalle. Herr Wischenbarth wird ersucht, seinen in der Turnhalle sich leihweise befindenden eisernen Ofen dem Verein zu spenden. Eine Gesundheitsriege wird gegründet, die älteren Herren beteiligen sich daran. Der Verein besteht aus 36 Mitgliedern. Im „Ischler Wochenblatt" werden von Zeit zu Zeit Inserate betreffs Einladungen, sich am Turnen zu beteiligen, aufgegeben.

1890 wird eine gleichmäßige Kleidung der Turner angestrebt. Der hiezu nötige Stoff wird im Ganzen bestellt. Der Ortsschulrat beschließt in der Turnhalle die Installation von englischen Aborten. Der Plan einer eigenen Turnhalle taucht auf.

1891 hat der Verein bereits 66 stimmberechtigte Mitglieder. Bekannte Namen tauchen auf: Schenner, Sams, Schodterer, Bandzauner, Pamrnesberger, Sarsteiner, Witzlsteiner, Stögner.

1892 wird das 25 jährige Gründungsfest gefeiert. Ein Turnhallenbaufond wird errichtet. Der Verein zählt 58 Mitglieder. In vielen, vielen Sitzungen berät man den Turnhallenbau. Als geeigneter Platz erscheint der Platz vor der kaiserlichen Säge beim Bretterstadel. Das Gründungsfest findet am Pfingstsonntag statt, wird mit einem Fackelzug eingeleitet. Sonntag nachmittag folgen Hochsprung, Steinstoß, Schnellauf. 2 Kränze samt Schleifen winken als Preise für die Sieger.

Die Gründung einer Damenriege wird ins Auge gefaßt. Ein Kränzchen im Herbst wird in Erwägung gezogen, jedoch wieder fallen lassen, denn „im Herbst ist die Tanzlust weniger rege".
1893 heißt der Vorstand Hans Sarsteiner (mittels Acclamation gewählt), er spendet 50 Gulden. Bürgermeister Franz Koch bringt in äußerst ge¬wählten, schmeichelhaften Worten dem Verein die Sympathien der Gemeindevorstehung dar, die Wichtigkeit des Bestehens des Turnvereines für Ischl in beredeten Worten darlegend. Der Turnwart Sams entschuldigt den Verein beim Herrn Vorstand, daß bei der unvorhergesehenen, plötzlichen Ankunft desselben von seiner Weltreise unmöglich gemacht war, ent¬sprechende Empfangsfeierlichkeiten zu veranstalten.

1894 sucht man noch immer nach einem Grundstück für den Turnhallen¬bau. Eines wäre bei Frau Hippesroither an der neuen Lastenstraße vom Gries in Aussicht. Das dritte Gauturnfest findet in Ischl statt, 32 Vereine treffen zusammen. Leider ist das Wetter schlecht.
1895 sagt der Vorstand in einer Rede, daß es ihn freue, an der Spitze eines Vereines zu stehen, der aus intelligenten, in der Blüte ihrer Jugend stehenden Männern bestehe. Ein großer Tag: am 19. Jänner 1895 kauft der Verein einen Baugrund um 4000 Gulden! In der Erzherzogin-Marie Valerie-Straße. Vorstand Sarsteiner streckt das noch fehlende Geld vor. Es ist geplant, vorerst darauf einen Lawn-Tennisplatz zu errichten, um vielleicht damit vorerst einen pekuniären Erfolg zu erringen.

1896 Erstellung des Bauplanes. Die Turnhalle wird erbaut und eröffnet. 1897 pachtet sie ein Dr. Isor Stein aus Wien, der Inhaber einer orthopädischen Heilanstalt. Mit ihm gibt es noch Schwierigkeiten wegen des undichten Daches, er will Schadenersatz. Nach langem Hin und Her kauft Dr. Stein 1900 die Halle. Ein neues Dach aus der Asbestfabrik Vöcklabruck wird angeschafft.

1899 heißt der Vorstand Franz Krupitz. Nur noch „Deutsche" werden aufgenommen. ein neuer Schriftwart, Anton Mannberger, bringt eine Neuerung in die Schriften: er schreibt lateinische Buchstaben! Der Voranschlag für 1900 wird zum ersten Male in Kronen und Heller aufgestellt. Eine Frauen- und Mädchenabteilung entsteht.

1901 ist Karl Plasser Vorstand, bleibt es bis 1906. 58 stimmberechtigte Mitglieder. Im Kurhauspark wird ein Gartenfest veranstaltet. Verschönt durch „gemischtes Keulenschwingen", Freiübungen der Damenriege, Stabübungen mit Musikbegleitung. Ein Anschlag klebt an der Turnhalle:

Rauchen verboten! Weder Zigarren, noch Pfeifen oder Zigaretten!

1903 hat der Verein 84 stimmberechtigte Mitglieder. In einer denkwürdigen Sitzung wird der Ankauf eines Grundes des Herrn Wimmer in der Siriuskogelgasse bekanntgegeben. Wegen des Turnhallenbaues finden zahlrieche Sitzungen statt, zu denen ofl Maurermeister Huber als Gast geladen ist. Man hört seine Vor- und Ratschläge. Herr Kain wird als Hausbesorger bestellt. Am 26. November findet die Turnratssitzung zum ersten Male im neuen Turnratszimmer statt! Eine Außerung, so berichtet der Vorstand, sei ihm zu Ohren gekommen, wonach der Verein mehr ein Gesangs- als ein Turnverein sei, das letztere werde zu sehr vernachlässigt! Also Mahnung, das abzustellen! Zur Julfeier findet ein elektrisches Keulen¬schwingen statt, die Keulen leiht der Turnverein Ybbs freundlich her. Eine Pferdepyramide mit Herren und Damen wird gezeigt, ebenso eine Marmorgruppe!

1907 wird der Antrag, elektrisches Licht in die Turnhalle zu leiten, abgelehnt. Man bleibt beim Gas.

1908 feiert man das vierzigjährige Bestandsfest. Gauturnfest in Ischl. Eine neue Vereinsfahne! Man schlägt als Fahnenmutter Frau von Schratt vor, nachdem Fräulein Spanitz in Erfahrung gebracht hat, daß Frau von Schratt nicht abgeneigt wäre, die Stelle als Fahnenmutter zu übernehmen. Frau Schratt kann sich jedoch letzten Endes nicht dazu entschließen. Frau Prohaska macht sich indessen eine Freude daraus und übernimmt. Theaterspielen kommt in Mode, man sucht eifrig in Buchhandlungen nach geeigneten Stücken.
1909 findet auf dem Hütteneck ein Bergturnfest statt. Für die Roseggerspende werden 8 Kronen, 80 Heller gezeichnet.

1910 bekommt das Krankenhaus, das neuerbaute, ein Telefon. Man berät, ob man das Anbringen einer Isolierstange auf dem Dach der Turnhalle gestatten soll. Nach Abstimmung positiv entschieden. Herr Fellerer möchte ein Waldfest bei der Ruine Wildenstein veranstalten. Der Vorschlag wird wegen des feuchten Waldbodens abgelehnt.

1911 will man ein Jahndenkmal aufstellen. Ein Bildhauer Loos aus Salzburg macht Vorschläge. Leider zeigt sich bei der Mauer der Turnhalle eine Mauersenke, verursacht durch die vorbeifahrenden Züge! Julfeier. Man fragt an, ob Herr Zerbs nicht geneigt wäre, einige seiner Kunststücke zu zeigen.

1913 ist Herr Luhn Vorstand. Wegen des Schülerturnens gibt es Schwierigkeiten mit der Schulbehörde. Die letzte Verhandlungsschrift ist am 12. 3. 1914 eingetragen. Dann nichts bis 12. 12. 1918. Es wird mit tiefer Trauer der gefallenen Vereinsangehörigen gedacht. Gleich zu Beginn des Krieges wurde die Turnhalle Lazarett, im Juli 1916 war die gänzliche Einstellung des Turnbetriebes nötig. Vom Militär wurde das elektrische Licht eingeleitet. Es wird versucht, eine Einquartierungsentschädigung zu erlangen. Das Verlangen wird nur teilweise befriedigt, da die Militärbehörde ins Treffen führt, die Schäden seien nicht nur durch die deutsch-österreichischen Soldaten, sondern auch durch die Lazarettinanspruchnahme anderer Nationen entstanden! Der Fußboden ist schadhaft, Baumeister Hans Brandl wird zu Rate gezogen. Es findet eine Neueinteilung der Turnbezirke statt. Ischl, Ebensee, Goisern, St. Wolfgang, Aussee gehören zusammen. Neue Geräte müssen angeschafft werden, aber man geht mit ungebrochener Schaffenskraft und starkem Willen daran, den Verein wieder aufzubauen. Otto Luhn bleibt bis 1934 Vorstand.

Der Turnrat besteht aus den Herren: Fellerer, Holzberger, Witzlsteiner, Hirschmann, Leithner, Gratzer, Fahrner, Jäger.

1938 wird der Verein in den Reichsbund für Leibesübungen eingegliedert. Als Vorstand fungiert weiterhin Hans Prischnegg und bleibt es weiterhin bis zur Auflösung 1945. Obwohl von da ab die Jungen zum Arbeitsdienst und zur Wehrmacht einrücken, bleibt der Turnbetrieb aufrecht, aber es kommen schwere Zeiten.

Eine Gedenktafel an der Turnhallenwand erinnert an den Verlust von 32 Turnbrüdern und einer Turnschwester. Nach dem verlorenen Krieg wird der Turnverein aufgelöst, das Vereinseigentum beschlagnahmt, der Turnbetrieb kommt zum Erliegen. Man muß sich mit Geduld wappnen. Die Treue wird belohnt.

1951 wird die Bildung des Turnvereines Bad Ischl mit dem Sitz in Bad Ischl mit Erlaß der Sicherheitsdirektion für Oberösterreich genehmigt. Im nächsten Jahr hält man die gründende Hauptversammlung ab. Auch das Eigentum des Vereines wird zurückerstattet, aber es sind noch große Opfer nötig, um den Turnbetrieb in Schwung zu bringen. Vorerst wird in der Knabenhauptschule geturnt, da die Turnhalle von anderen Sportverbänden besetzt ist.

1953 kann die Turnhalle endlich wieder benützt werden. Nach Instandsetzung der Halle und dem Anbau eines Geräteraumes wird 1954 der Turnbetrieb feierlich eröffnet - ein großer Augenblick im Leben aller, die ausgeharrt haben. Während der Abbruchsarbeiten kommt zufällig die Erbauungsurkunde ans Tageslicht! Eine Ergänzungsurkunde wird verfaßt, künstlerisch ausgeführt und zusammen mit der alten Urkunde wieder an derselben Stelle versenkt. Auch die beigegebenen alten Münzen legt man wieder dazu. Zuerst turnen nur Turner und Turnerinnen, langsam aber gelingt es, eine Jugendabteilung ins Leben zu rufen. Es geht wieder aufwärts! Das Schwierige besteht darin, die Lücke zwischen den Generationen zu schließen. Man muß bedenken, daß die Jahrgänge 17 bis 22 fast zur Gänze dem Kriege zum Opfer fielen. Die Alten können sich nicht zur Ruhe setzen, die Jungen müssen erst in die Arbeit hineinwachsen. Sie schaffen es, und bis 1966 hat sich die Führungsschicht völlig verjüngt.Jetzt darf der Verein auf die neue Halle mit Recht stolz sein. Eine neue Decke wird 1966 eingezogen, die Wand verkleidet und alles frisch gestrichen und jeder, der dabei mitgeholfen hat, wird immer wieder mit Recht darauf stolz sein. Der Verein besitzt sämtliche olympischen Geräte. Als Krönung der Arbeiten wird die Halle außen gestrichen. Die Mitglieder des Vereines betätigen sich nicht nur als Turner oder Leichtathleten, sondern sind auch Maurer, Maler, Tischler, Installteure, Daß die Turnerinnen auch ihren Mann stellen beim Räumen, Putzen, Wischen, Reinigen und Essentragen, sei nur am Rande vermerkt.

Hundert Jahre Turnverein, hundert Jahre im Dienste des Volkes. Der Tradition verbunden, aufgeschlossen dem Neuen. Seit hundert Jahren lebt hier der soziale Gedanke, denn in der Riege steht reich und arm nebeneinander, das Geld wiegt nicht. Seit hundert Jahren kämpft der Turnverein für die Volksgesundheit, er hilft dem Staat die vielen hundert fehlenden Schulturnhallen zu ersetzen, er hilft der Jugend die Freizeit sinnvoll zu gestalten und damit einem der brennendsten Probleme zu Leibe zu rücken.

 

 

 

TURNVEREIN BAD ISCHL 1867